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Autor Thema: Entscheidungsfindung: UNI-T 2052CEL (50MHz) oder TEKWAY DST 1062B (60 MHz) ?  (Gelesen 18034 mal)
spookytooth
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« am: 30. Januar 2011, 14:27:16 »

Mein altes Hameg 203 konnte schon seit einiger Zeit nicht mehr das leisten, was ich immer wieder benötigte: auch einzelne Impuls Sequenzen zur Analyse sichtbar machen. Also mußte ein DSO her. Ich bin kein 'Profi-Elektroniker' und ich erhebe auch keinen Anspruch auf Vollständigkeit, Perfektion und Unfehlbarkeit, aber vielleicht steht der ein oder andere gerade vor der gleichen Entscheidung und dieser Bericht meiner persönlichen Entscheidungsfindung kann da vielleicht etwas helfen.
 
Diverse Recherchen bei den üblichen Verdächtigen (Reichelt, Völkner, Conrad etc.) brachten mich irgendwie zu UNI-T, die es ja z.B. bei Reichelt sehr günstig gibt(UNI-T 2052CEL.. mit dem '480x800 Großdisplay'). Im Netz begegnete mir dann auch TEKWAY irgendwann. Einige interessante Beiträge in diversen Foren ließen vermuten, dass diese Geräte ein sehr gutes Preis/Leistungsverhältnis bieten könnten. Also wurde auch noch ein TEKWAY zu bestellen (DST 1062B bei PinSonne). Die ganze Aktion war überhaupt nicht von vornherein so geplant, aber ein Vergleich, der meine sehr persönlichen Anforderungen an so ein Gerät berücksichtigt, ist immer noch das Beste.

Hier also mein Erfahrungsbericht.

Allgemeiner Eindruck

** UNI-T 2052CEL **
Abmessungen und Gestaltung sind in dieser Klasse ja bei allen ähnlich, so macht das Gerät hier auch keine Ausnahme. Mitgeliefert wird – wie wohl bei den meisten vergleichbaren – alles, was man für erste (und auch weitere) Messungen braucht. Unvorbelastet von 'LeCroy's, 'Tektronix'en etc.- Erfahrungen war das kleine Ding für mich erst mal ein echtes 'Ereignis'. Ein – tatsächlich großes – Farbdisplay und eine übersichtliche und schnell zu erfassende Menüstruktur machen ein Handbuch fast überflüssig. Die Bedienung ist auch sehr flüssig und die Reaktion des Gerätes prompt. Dennoch habe ich mit Interesse das recht gute Originalhandbuch (nicht die etwas mäßige Deutsche Variante) gelesen.


Bedienung und Darstellung
Was mich schon nach kurzer Betriebsdauer echt genervt hat, ist der Lüfter, der sofort mit voller Drehzahl loslegt – warm oder nicht spielt dabei keine Rolle. Es ist zwar mehr ein 'Rauschen' und kein 'Sirren' oder so etwas, aber ganz schön laut und wenn man das – wie bei meinem Basteltisch – ständig 60 cm vor dem Kopf hat, dann ist das nicht mehr schön.
Dass für die Bedienung der beiden Kanäle nur ein Satz Knöpfe zur Verfügung steht und jeweils mittels Tasten zwischen den gerade für die Bedienung aktiven Kanälen hin- und her geschaltet werden muss, ist erst mal doch etwas gewöhnungsbedürftig und hat öfters dazu geführt, dass der gerade sorgsam eingestellte Messbereich mal eben schnell 'verdreht' wurde. Das ist ärgerlich. Ansonsten ist die Anordnung der Bedienelemente logisch und nach einiger Zeit hat man die Positionen 'blind' gefunden und vergisst auch das Umschalten der Kanäle nicht mehr (jedenfalls meistens…).  
Ungewohnt war für mich anfangs auch die 'dicke' Linie der Kurvenform, das machte mein altes analoges Hameg nicht. Spätestens nachdem ich dann im Internet den Hinweis gefunden hatte, dass die physikalische Display Auflösung von 480x800 dieses Gerätes gar nicht ausgenutzt wird, sondern immer 4 Pixel zusammen ein Dot ergeben, wurde mit da einiges klarer (Marketingabteilung: so macht man sich keine zufriedenen Kunden!). Die Darstellung von Texten und Werten auf dem Display in dieser Auflösung ist naturgemäß auch etwas 'Klötzchen-mäßiger'. Die Darstellung ist für mich aber ok und die interessanten Werte zu Einstellungen und Meßergebnissen werden auch immer angezeigt und sind klar abzulesen - ohne zu viel von der Grafik zu überdecken.
In einem anderen Erfahrungsbericht bei martin-lauff.de hatte ich inzwischen davon erfahren, dass bei diesem Gerät bei der Messung von FFTs Fehler bis zu 20% auftreten, was mich doch etwas erschreckt hat. In Verbindung mit einer unpassend gewählten Frequenzskalierung bei der FFT Anzeige und einer 'unpassenden' Einstellung der Horizontalablenung konnte ich hier tatsächlich die erwähnten Fehlergrößen provozieren. Die Einstellerei wird besonders unübersichtlich, da wegen des sparsamen Bedienkonzeptes für beide Größen der gleiche Knopf benutzt werden muss – das erfordert dann hin- und herschalten zwischen MATH und Zeitbasis. Wenn man dabei aber sorgfältig arbeitet, kann man auch hier recht gute Ergebnisse erzielen.
Das Arbeiten mit den Cursorn ist flüssig. Angenehm: Die Bewegungsgeschwindigkeit wächst dynamisch mit der Drehgeschwindigkeit am Knopf. Aufgrund der groben Displayauflösung sind der Ablesegenauigkeit aber schon mal feste Grenzen gesetzt. Der Speicher ist mit 25kB auch nicht gerade riesig, reicht aber für viele Ansprüche aus. Letztendlich Muss man aber Abstriche bei der Genauigkeit bei höheren Frequenzen  machen, wie eine Messung an einem einfachen 40MHz Fernbediensungssender zeigte.
Das an sich schöne Feature des Tracking Modes bei der Cursor Messung hat leider eine Schwäche in der Realisierung. Der Magnitude Messwert kommt nicht vom Schnittpunkt der Cursor, sondern vom rechten Ende des kleinen Cursors.
Schön ist die Möglichkeit ein Zoomfenster zu öffnen, sodass das Original gemessene Signal und eine dehnbare Variante davon gleichzeitig angezeigt werden. Zwischen den Darstellungen kann einfach hin- und her geschaltet werden. Das funktioniert auch im Stop Zustand.

Inzwischen hatte ich mich ganz gut an das Gerät und seine kleinen 'Problemzonen' gewöhnt und konnte mir vorstellen, damit 'leben' zu können – trotz der offensichtlichen Schwächen bei FFT und Displayauflösung. Das englische gedruckte Handbuch ist strukturiert und recht informativ aufgemacht, die mitgelieferte deutsche Übersetzung wirkt etwas lieblos und ist etwas knapper gehalten.

Schnittstellen / PC Anbindung
Die auf CD enthaltene PC Software läuft auch unter Win7 (Treiber ist aber nicht zertifiziert) und bietet Remote Control und Anzeige. Die Benutzeroberfläche des Oszi ist solange gesperrt. Export der Kurvendaten in ein Excel Format ist möglich. Die Oberfläche ist dem Gerät nachempfunden.
Ansonsten ist das recht unspektakulär. Die Verbindung erfolgt etwas unüblich über den gleichen Portanschluß, der auch den USB Stick aufnimmt, es geht also immer nur eins. ein passendes Kabel liegt bei.
Screendumps erfolgen als BMP auf USB Stick per direkter Funktionstaste am Gerät.



** TEKWAY DST1062B **
Inzwischen war auch das TEKWAY da. Es ist ca. 190€ teurer. Da ich mich in letzter Zeit verstärkt mit Linux auseinandergesetzt hatte, war ich von einer Linux embedded Lösung durchaus angetan. Auch hörte und las man von 'interessanten' Upgrademöglichkeiten, die der Hersteller allerdings so sicher nicht vorgesehen hatte.
Der Karton hat dann auch die gleichen Abmaße und das prinzipielle Gerätedesign ist nicht viel anders als bei dieser Geräteklasse üblich.

Bedienung und Darstellung
Ein entscheidender und bei mir sofort positiv vermerkter Unterschied ist, dass hier jeder Kanal seine 'persönlichen' Knöpfe für horizontale und vertikale Größen hat.
Gleich nach dem Einschalten die nächste – erwartete – angenehme Eigenschaft: kein Lüfter – Ruhe… Das Display strahlt zwar nicht ganz so 'leuchtend', wie beim UNI-T, aber in einer Detaillierung, die den Unterschied von realen 240x400 zu 480x800 sofort überzeugend klar macht. Wie eine alte DOS Anwendung und eine Windows7 Oberfläche.
Irgendetwas scheint aber beim ersten Booten gleich schiefgegangen zu sein. Die Menüs reagierten mit Zeitverzögerung von mehreren Sekunden – so konnte man nicht arbeiten. Aus und Einschalten half (was auch immer das war…). Nun war die Bedienung flüssig und mindestens ebenso logisch wie beim UNI-T.
Die Anordnung der Bedienblöcke entspricht auch hier dem üblichen Standard. Die grundsätzliche Funktionalität und auch die Auswahl an Meßfunktionen und Speichermöglichkeiten sind ansonsten vom Grundsatz her ähnlich wie beim UNI-T. Das Tekway bietet allerdings aufgrund der hoch auflösenden Bildschirmdarstellung fast eine PC mäßige, sehr detaillierte Oberfläche und auch viele detaillierte Einstelloptionen. Durch die gleichzeitige Sichtbarkeit der möglichen Optionen eines Parameters muss man sich nicht erst durch alle Einstelloptionen durchtasten, um die möglichen Werte zu sehen.
Im Detail sehr schön gelöst ist die Umsetzung des dual Window Zoom Modus, der es erlaubt auch Marker zu setzen. Allerdings kriecht der Cursor im unteren Fenster auch bei heftigem Kurbeln nur do dahin. Helfen kann man sich da aber leicht, indem man zwischen den Fenstern hin- und herschaltet, also im 'groben' Fenster den Cursor schnell- und dann im Zoomfenster fein-positioniert. Unschön ist, dass beim Umschalten vom Single Window in den Dual Window Mode und zurück mittels F7 im Stop Mode immer die Kurve gelöscht wird. Eine weitere kleine 'Macke', die allerdings nur einmal beobachtet wurde: Während des USB Speicherns hängte sich beim Drehen an V/Div das Gerät komplett auf und machte einen Neustart erforderlich. Danach war aber wieder alles im zuletzt eingestellten Modus. Ansonsten stabiler Betrieb.

Tekway liefert kein gedrucktes Handbuch. Eine ausführliche englische Version (v 0.9) kommt zusammen mit der PC Software auf einer kleinen CD von Tekway selbst und steht auch im Netz zum Download bereit, PinSonne liefert eine gut übersetzte (bis auf die Überschriften) deutsche Variante auf einer separaten CD mit, die auch gleich alle anderen Handbücher des gesamten Lieferprogramms enthält.

Schnittstellen / PC Anbindung
Die mitgelieferte PC Software v. 2.0.0.4 ließ sich zwar auf Win 7 und auf XP installieren, konnte aber keine stabile Verbindung zum Oszi aufbauen. Abhilfe schafft die Verwendung der Version 2.0.0.5, die es bei Hantek (Modelle sind baugleich) zum Download gibt. Der Treiber Muss dann bei Win 7 manuell als Legacy Driver nachinstalliert werden, dafür funktioniert es dann aber auch mit Win 7 (32Bit) und XP. Das Konzept der PC SW ist interessant, da es erlaubt, mehrere Interpretationen des gleichen Signals nebeneinander darzustellen. Außerdem kann man die Werte der Kurvendarstellung in eine Datei exportieren.
      
Über die etwas sehr schlicht geratene Nachbildung des Bedienfeldes kann das Gerät fernbedient werden. Dafür wird aber der grafische Bildschirm des Oszilloskops exakt 1:1 wiedergegeben.

Die Funktion ist nicht immer ganz schlüssig. So bleibt gelegentlich das Bedienfeld des Oszis gelockt, auch wenn die SW am PC schon geschlossen wurde. Manchmal wird aber auch gar nicht gelockt und man kann von vom PC und vom Gerät die Einstellungen ändern. Vielleicht habe ich das auch nur nicht richtig verstanden… eine Bedienungsanleitung dazu gibt es nicht und die Hilfe Funktion ist wohl nur auf Chinesisch verfügbar.
Der USB Host-Anschluss erfolgt über einen rückseitigen USB Steckananschluß während an der Frontseite der Platz für den USB Stick weiterhin verfügbar bleibt, was sehr praktisch ist. Kabel liegt auch hier bei.
Die Screendumps des Tekway erfolgen immer im BMP und im platzsparenden GIF gleichzeitig per spezieller Funktionstaste.

Vergleiche
Natürlich habe ich nun ein paar (einfache) Messungen mit beiden Geräten und mit möglichst gleichen Einstellungen gemacht. Die tabellarische Zusammenfassung dieser Ergebnisse ist im ausführlichen Bericht enthalten, der als PDF runtergeladen werden kann.

Mein ganz persönliches Fazit
Irgendwie haben mir tatsächlich beide Geräte gefallen.
Das UNI-T (U) hat – eben wegen seiner schlechteren Bildschimauflösung – eine sehr klare und übersichtliche Anzeigestruktur. Wenige Infos, aber alles was ich wissen wollte.
Das TEKWAY (T) erschlägt einen am Anfang etwas mit seinen vielen Icons in der Kopfzeile und den Optionslisten in den Auswahlmenüs. Aber das ist alles eine Frage der Gewöhnung und ich schätze den höheren Informationsgehalt des T inzwischen doch sehr.
Die Bedienung mit den separaten Knöpfen für jeden Kanal ist ein echter Pluspunkt für das T. Die Menüs sind sowohl beim T, als auch beim U logisch und sauber strukturiert und folgen schnell den Eingaben. Die echte Bildschirmauflösung von 480x800 des T lässt bei der Diagonale von ca. 18cm schon fast Netbook Feeling aufkommen. Es ist nichts zu klein oder schlecht lesbar. Beim U fühlt man sich dann eher in die alte DOS Zeit versetzt.
Die Farbdarstellung ist vielleicht beim T nicht ganz so knackig wie beim U und ist auch deutlich Blickwinkel abhängig, aber das ist für mich weniger störend als die grobpixelige Darstellung des U, bei dem feine Kurvenstrukturen doch schnell im Pixelbrei verschwinden. Die sauberere FFT Berechnung/Darstellung, die Möglichkeit das Menü auszublenden und die gesamte Fläche für die Kurvendarstellung nutzen zu können sprechen auch für das T.
Etwas ganz wichtiges für mich, nachdem ich mir einige Tage den Lüfter des U ins Ohr rauschen lassen musste: das T arbeitet völlig geräuschlos. Andere mögen das nicht so als störend empfinden – mich hat es echt genervt.
Auch die OS Basis 'Linux' hat mir beim T gefallen, immerhin ist das ein echtes Multitasking Betriebssystem, wenn auch nicht unbedingt eines für Echtzeit Anwendungen. Aber es ermöglicht schnelle Software Weiterentwicklung und gibt z.B. Hoffnung auf rasche Updates bei Bugs. Die aufgetretenen Abstürze beim T finde ich nicht so toll, aber es soll bald schon wieder eine neue Firmware Version geben. Wo viel entwickelt wird, entstehen eben auch Bugs. Wichtig ist, dass diese auch schnell beseitigt werden.

Meine Entscheidung ging letztendlich zum TEKWAY, die genannten Punkte waren mir die 190 zusätzlichen Euronen Wert. Ich bin mir aber sicher, dass ich rein messtechnisch auch mit dem UNI-T ganz zufrieden gewesen wäre. Letztendlich muss jeder seine persönliche Entscheidung treffen, schließlich stehen den teilweise besseren Features des TEKWAYs ja auch einige Euros gegenüber. Von der Gesamtumsetzung hat das TEKWAY mich aber einfach überzeugt.

Der gesamte Bericht mit Screenshots und direkten Vergleichen kann als PDF herunterzuladen werden. Als Beispiel für die Bilddarstellung habe ich mal einen 240x480 Screenshot 'aufgezoomt' und gegen den 400x800 (Originalgröße) in ein Bild kopiert.
Wer die technischen Daten im Einzelnen vergleichen will, sollte sich die Handbücher und Specs von den jeweiligen Websites runterladen oder auch bei PinSonne auf der WebsiteSite vorbeischauen, da steht auch einiges.

Sehr interessant auch zu dieser Thematik: http://www.martin-lauff.de/neuigkeiten/news-deteils/tekway-dst1102b-gut-mit-ein-paar-wenigen-abstrichen/dd2cb7931f727368791d3f9ab7f71b5e.html und http://www.martin-lauff.de/neuigkeiten/news-deteils/ernuechternder-test-des-utd2052cel/393cd7ad10382f7452dc3b33cc317d42.html

* DSO_UTD2052CELvsDST1062B.pdf (660.05 KB - runtergeladen 1468 Mal.)

* IMG_3331_s.JPG (108.35 KB, 1000x750 - angeschaut 2549 Mal.)

* IMG_3330_s.JPG (128.43 KB, 1000x750 - angeschaut 2470 Mal.)

* CombinedScreenShots.gif (63.08 KB, 1603x481 - angeschaut 2420 Mal.)
« Letzte Änderung: 30. Januar 2011, 17:02:36 von spookytooth » Gespeichert
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